Nachnutzung einer Industriebahntrasse als nachhaltiges Wohnband
Die Projektstudie untersucht die Transformation eines Abschnitts der ehemaligen Industriebahntrasse zwischen Tegel und Friedrichsfelde in ein eigenständiges Wohnquartier. Auf der linearen Konversionsfläche entstehen rund 20 Einzelgrundstücke, erschlossen über eine Einbahnstraße mit begleitenden Grünstreifen. Die besondere Qualität des Standorts liegt im Spannungsfeld von städtischem Wohnen, landschaftlicher Nähe und vorhandenen Freiräumen: Direkt angrenzend befinden sich ein Volkspark und ein Naturschutzgebiet, im westlichen Umfeld zwei Seen.
Städtebaulich wird die Anlage durch zwei viergeschossige Kopfbauten mit altengerechten Wohnungen gefasst. Sie bilden Auftakt und Abschluss des Quartiers und geben dem langgestreckten Areal eine klare räumliche Ordnung. Dazwischen entstehen neun zweigeschossige Häuser in offener Bauweise auf real geteilten Grundstücken. Der Entwurf entwickelt damit ein vielfältiges Wohnangebot, das als Villa, Doppelhaus oder Generationshaus umgesetzt werden kann.
Identitätsprägendes Zentrum der Anlage ist ein Obsthain, der sich als halböffentlicher Grünzug durch das gesamte Wohnband zieht. Er schafft einen ökologisch wirksamen Biotopverbund, verankert das Quartier im landschaftlichen Kontext und erzeugt zugleich einen neuen Genius Loci für das Nachbarschaftswohnen. Als gemeinschaftlich erlebbarer Freiraum stiftet er Orientierung, Atmosphäre und Zugehörigkeit.
Für die beengten Grundstückszuschnitte wurde eigens ein Gebäudetypus entwickelt, der auf räumliche Qualität statt auf Größe setzt. Eingeschnittene Atrien verzahnen Wohnraum und Garten, schaffen geschützte Außenräume und ermöglichen ein Höchstmaß an Privatheit trotz der baulichen Enge. So entstehen Häuser, die Offenheit und Rückzug in ein präzise austariertes Verhältnis setzen.
Die Architektur folgt einem ruhigen, einheitlichen Gestaltungskanon. Klare kubische Baukörper, präzise gesetzte Öffnungen und eine zurückhaltende Fassadensprache verleihen dem Quartier seine zeitlose Identität. Ergänzt wird der Entwurf durch ein ganzheitliches Energiekonzept mit Passivhausstandard, passiver Solarenergienutzung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Fernwärmeanschluss und optionaler Photovoltaik. So verbindet die Studie die Nachnutzung einer Infrastrukturbrache mit architektonischer Klarheit, ökologischer Substanz und einem starken Bild von gemeinschaftlichem Wohnen.






