BIOTOP BARMBEK ist unser Beitrag zur Konzeptausschreibung der Stadt Hamburg für das Baufeld HH-Barmbek-Nord BF 2c
Im Rahmen der Konzeptausschreibung der Stadt Hamburg haben wir mit BIOTOP BARMBEK ein Quartierskonzept entwickelt, das zwei Ziele konsequent zusammenführt: ein lebendiges, inklusives Miteinander und eine robuste, wirtschaftliche Bauweise – ohne Abstriche bei Atmosphäre, Nutzungskomfort und stadträumlicher Qualität. Ein lebendiges Quartier entsteht nicht „von selbst“. Der Anspruch des Auslobers an ein lebendiges Quartier lässt sich in drei Kernpunkten fassen: soziale Mischung, verlässliche Nachbarschaftsstrukturen und zukunftsfähige ökologische sowie mobilitätsbezogene Lösungen. Entscheidend ist dabei weniger das Versprechen, sondern die Umsetzung im Alltag: Räume, die genutzt werden, Angebote, die getragen werden, und Freiräume, die Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Identität erzeugen.
BIOTOP BARMBEK setzt genau hier an. Der Entwurf organisiert das Wohnquartier als klar lesbares Ensemble mehrerer Baukörper, die einen gemeinsamen, geschützten Innenbereich bilden. Dieser Innenbereich ist nicht Restfläche, sondern soziale Mitte – ein Ort, an dem sich das Quartier täglich begegnen kann: beim Kochen, Arbeiten, Reparieren, Spielen, Gärtnern und Verweilen.
Gemeinschaft & Inklusion: Programmräume mit echter Wirkung
Kern des Konzepts sind drei gemeinschaftliche Bausteine, die sich bewusst ergänzen und unterschiedliche Gruppen ansprechen:
1. Community Kitchen (Gemeinschaftsküche)
Die Community Kitchen ist der niederschwelligste Treffpunkt: Kochen und Essen sind universell, verbinden Generationen und Kulturen. Die Küche ist so gedacht, dass sie sowohl kleine Nachbarschaftsanlässe als auch größere Quartiersformate ermöglicht – vom gemeinsamen Abendessen bis zum Kochkurs oder Fest. Wichtig ist die klare Organisation (Regeln, Pflege, Terminierung), damit der Raum dauerhaft funktioniert und nicht nach kurzer Zeit „ausfranst“. So wird aus einer Idee ein belastbarer Quartiersanker.
2. Community Workspace (Nachbarschafts-Workspace)
Der Workspace reagiert auf veränderte Arbeitsrealitäten: Homeoffice, Selbständigkeit, temporäre Projektarbeit. Statt Vereinzelung in der Wohnung schafft der Workspace produktive Nähe – mit offenen Arbeitsplätzen, ruhigen Zonen und einem professionellen Setting, das Konzentration ebenso ermöglicht wie Austausch. Der Mehrwert ist doppelt: Er stärkt die lokale Vernetzung und reduziert Wege – ein Beitrag zur alltäglichen Nachhaltigkeit.
3. Fahrradwerkstatt (Werkstatt & Teilen)
Die Fahrradwerkstatt ist ein praktischer Ort: reparieren, ausleihen, helfen. Sie unterstützt den Umweltverbund, senkt Schwellen (nicht jede:r hat Werkzeug oder Know-how) und erzeugt genau jene „kleinen Anlässe“, die Nachbarschaft entstehen lassen. Gleichzeitig wird das Fahrrad als selbstverständlicher Teil der Quartiersmobilität verankert.
Diese drei Bausteine sind bewusst im Erdgeschoss platziert: dort, wo Begegnung sichtbar wird, wo man „vorbeikommt“ und wo soziale Präsenz auch Sicherheit erzeugt. Ergänzt werden sie durch gemeinschaftliche Terrassenbereiche, die Innen- und Außenraum verknüpfen und das Quartier in den warmen Monaten spürbar beleben.
Der Freiraum als Biotop: Identität, Klima und Mitmachen
Der Name BIOTOP BARMBEK ist Programm. Der Außenraum wird als ökologisch wirksame und zugleich nutzbare Landschaft verstanden – nicht als Dekor. Wildblumenwiesen, essbare Gärten mit Hochbeeten, strukturreiche Pflanzungen und Wasserelemente schaffen Biodiversität und verbessern das Mikroklima. Noch wichtiger: Sie erzeugen Identität und Beteiligung. Wer pflanzt, pflegt, erntet oder Patenschaften übernimmt, fühlt sich zugehörig. Das reduziert Konflikte, erhöht Achtsamkeit und macht aus „einem Hof“ einen gemeinsamen Ort.
Dachgärten als zweite Wohnlandschaft
Ein zentrales Qualitätsversprechen des Entwurfs liegt in der Erschließung der Dächer als gemeinschaftlich nutzbare Dachgärten. In der dichten Stadt sind Dächer ungenutztes Potenzial – BIOTOP BARMBEK macht daraus eine zusätzliche Ebene des Wohnens:
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Begegnung über dem Alltag: Dachgärten bieten Rückzug und Gemeinschaft zugleich – mit Zonen für Ruhe, gemeinsames Gärtnern, kleine Anlässe oder informelle Treffen.
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Hohe Wohnqualität für alle: Nicht jede Wohnung braucht eine große private Außenfläche, wenn es hochwertige Gemeinschaftsdächer gibt. So wird Qualität fair verteilt.
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Klimaresilienz: Begrünte Dächer verbessern Verdunstung, Verschattung und Regenrückhalt – spürbar im Sommer und wirksam im Stadtklima.
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Soziale Interaktion: Gemeinsam genutzte Dächer stärken die Hausgemeinschaft – besonders in Mischquartieren mit unterschiedlichen Lebensmodellen.
Die Dachgärten sind so gedacht, dass sie robust und pflegearm funktionieren: klare Wege, langlebige Beläge, standortgerechte Bepflanzung und sinnvolle Zonierung statt empfindlicher Sondergärten.
Robust & kostenreduziert bauen – Qualität durch Einfachheit
Ein lebendiges Quartier braucht wirtschaftliche Realisierbarkeit. Deshalb ist BIOTOP BARMBEK als Design-to-Cost-Ansatz geplant: Kosten werden nicht „wegoptimiert“, sondern über konstruktive Klarheit und Wiederholbarkeit gesteuert – bei gleichzeitig hoher architektonischer Qualität.
Die Prinzipien:
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Kompakte Baukörper mit guten Proportionen reduzieren Hüllflächen und Detailaufwand.
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Typisierte Grundrissmodule und übereinanderliegende Installationszonen senken Risiken, verkürzen Bauzeit und erhöhen Ausführungsqualität.
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Robuste Materialien und Details (wartungsarm, reparierbar, langlebig) sichern niedrige Lebenszykluskosten.
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Einfache, klare Fassadenlogik statt teurer Sonderlösungen – Qualität entsteht über Rhythmus, Tiefe, Maßstäblichkeit und dauerhaft wertige Oberflächen.
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Low-Tech im Freiraum: naturnahe, standortgerechte Vegetation und pflegeklare Strukturen erzeugen Wirkung ohne teure Technik.
So entsteht ein Quartier, das sowohl im Bau als auch im Betrieb wirtschaftlich bleibt – und genau dadurch dauerhaft lebendig sein kann.










