ein gemischtes, belebtes Quartier mit wirksamer Integration der Erweiterungsbedarfe des Deutscher Bundestag, der Büronutzung der ver.di sowie zusätzlichem Wohnungsbau und ergänzenden Nutzungen.
Der Entwurf begreift die Promenade am Spreeufer nicht als Randzone, sondern als adressbildende, publikumswirksame Quartierskante. Erdgeschossnutzungen entlang des Wassers und in den Stadtraumbereichen erzeugen auch außerhalb der Bürozeiten Frequenz und Aufenthaltsqualität und erweitern die bestehende Promenadenlogik zu einer lebendigen Innenstadt-Uferzone.
Gleichzeitig wird das Quartier als klimaresilienter Stadtbaustein konzipiert: Es reagiert auf Starkregen- und Hitzerisiken sowie auf die spezifische Lärmsituation (Stadtbahn / Wasserstraße) mit einem „robusten“ Städtebau, der Nutzungen schützt, Freiräume qualifiziert und zukünftige Anpassungen ermöglicht. Die Auslobung benennt hierfür ausdrücklich das Schwammstadt-Prinzip (Niederschläge auf dem Grundstück halten, versickern, verdunsten) als integralen Bestandteil der Aufgabenstellung.
Städtebauliches Konzept und Nutzungsbausteine
Das städtebauliche Grundgerüst organisiert die Hauptnutzungen in klar ablesbaren Baufeldern, die untereinander über einen zentralen Freiraum verbunden sind. Die bauliche Figur schafft eine innere Quartiersmitte als Park- und Platzfolge, die das Quartier adressiert, aber zugleich als Puffer- und Filterraum zwischen Nutzungsbereichen wirkt (Alltag, Sicherheit, Betriebstrennung).
Die Nutzungsmischung folgt dem Leitgedanken „Stadt statt Funktionszone“: Büroflächen für den Bundestag und ver.di, Wohnungsbau sowie nicht störendes Gewerbe und Wohnfolge werden so kombiniert, dass Erdgeschosse publikumswirksam sind, Obergeschosse ruhige Nutzungen aufnehmen und lärmsensible Bereiche geschützt werden. Die Auslobung fordert ausdrücklich diese Mischung (Wohnen, Arbeiten, ergänzende Angebote) sowie die Aktivierung der Erdgeschosse entlang der Spree.
Der Beitrag berücksichtigt zudem den erweiterten Betrachtungsraum der Stadtbahnbögen als Baustein für Quartiersbelebung und Lärm- Kompatibilität“ (z. B. kulturelle, jugendbezogene oder nutzungsflexible Formate), um das Potenzial der Bögen als identitätsstiftenden Stadtraum zu nutzen.
Gebäude und Bauweise
Die Gebäude werden als robuste, hybride Systeme konzipiert: Massive Bauteile werden – wo möglich – aus lokal rückgebauten Stoffströmen über Urban Mining in den Verwertungskreislauf geführt und als dauerhafte, speicherfähige Komponenten eingesetzt. Tragende, massive Decken und Fundamente dienen zugleich der thermischen Bauteilaktivierung (Heizen/Kühlen über aktivierte Speichermasse) und unterstützen damit einen energieeffizienten, temperaturstabilen Betrieb.
Energie- und Fassadenkonzept
Energetisch zielt der Entwurf auf weitgehende Autarkie: Photovoltaik auf Dachflächen („Dach als 5. Fassade“: Energie, Retention, Begrünung, Gestaltung) und Wärmepumpentechnik bilden das Rückgrat; als Quellen werden Geothermie und wasserbasierte Flusswasserthermie kombiniert.
Für die Bundestagsbüros werden Doppelfassaden vorgeschlagen: Der Fassadenzwischenraum kann als klimatischer Puffer wirken und – bei geeigneter Auslegung – natürliche Lüftungsanteile und thermisch getriebene Luftbewegungen ermöglichen; gleichzeitig erhöht sich der Witterungs- und Lärmschutz. Die Fassaden von Wohnen und ver.di werden klimaaktiviert gedacht (z. B. Verschattung, Begrünung, material- und bauphysikalisch robuste Schichten), um sommerliche Überhitzung zu reduzieren und die Synergie mit der Bauteilaktivierung zu stärken.
Mobilität und Robustheit
Die Auslobung betont nachhaltige Mobilität und neue Mobilitätsangebote als Schlüssel zur Quartiersbelebung und Flächenentsiegelung. Vorgeschlagen wird ein Nahmobilitätskonzept mit Mobility Hub, hoher Fahrrad- und Fußgängerpriorität (u. a. Fahrradstraße/Promenadenlogik) und reduziertem ruhenden Verkehr vorgeschlagen, um Asphaltflächen zu minimieren, Aufenthaltsqualität zu erhöhen und die blau-grüne Infrastruktur nicht zu fragmentieren. Der Schiffbauerdamm wird im Wettbewerbsgebiet zur uferbegleitenden Fahrradstraße als Teil des Grünen Hauptweges Nr. 5 und orientiert sich Richtung Luisenstraße (bereits als fahrradfreundliche Straße umgebaut). Anlieger und Zulieferung sind auf der Fahrradstraße bei Tempo 30 zugelassen. Der zentrale Quartiersplatz bleibt Autofrei, Einsatzfahrzeuge, Lieferverkehr und Andienung für die barrierefreie Erschließung sind, zeitlich begrenzt, möglich. An der Uferpromenade befinden sich Anleger für Wassertaxi und die Fahrgastschifffahrt.
Robustheit wird dreifach umgesetzt: räumlich durch klare Raumkanten, Orientierung und ablesbare Adressen (Grüner Platz, Spree-Uferpromenade); infrastrukturell durch dauerhaft nutzbare, wartungslogische Beläge/Details (Regenwasserführung sichtbar und kontrollierbar); sozial durch barrierefreie, sichere und flexibel bespielbare Freiräume (kühle Aufenthaltsorte, Wasserdüsen als sommerliches Mikroklima-Element, schattenspendende Baumstrukturen).
Freiraum, Promenade und robuste Alltagsräume
Der Freiraum wird nicht als Restfläche, sondern als blau-grüne Quartiersinfrastruktur entwickelt: zentraler Park, Promenade, Höfe und Vorzonen sind räumlich verbunden und funktional aufeinander abgestimmt. Dadurch entsteht ein durchgängiges Netz aus Aufenthaltsorten, Bewegungsräumen und klimawirksamen Flächen, das sowohl die Uferzone als auch die innenliegenden Quartiersräume stärkt.
Der Grüne Platz wird als zentraler, robust gepflasterter Quartiersplatz aus gesägtem/geschnittenem Kleinsteinpflaster ausgebildet und durch amorph geformte Pflanzinseln gegliedert, die als unterschiedlich bepflanzte Regengärten (Rain-Gardens/Bioretention) ausgebildet sind. Die Platzoberfläche erhält ein Gefälle in Richtung der Regengärten, sodass Niederschlagswasser gezielt in die Pflanzflächen geführt wird, wo es zurückgehalten und über Boden/Vegetation wirksam wird. Die Regengärten werden von variabel breiten Granitplatten eingefasst, die höhenversetzt (±0 bis +45 cm) angeordnet sind: als Sitzkante und zugleich als trittfeste Rahmung für Pflegezugang und Querungen. Eine zusätzliche Insel mit wassergebundener Wegedecke bietet informelle Aufenthaltsqualitäten – Picknick, Spiel und Nachbarschaftstreff.
In die Platzfläche integrierte bodengleiche Wasserdüsen schaffen eine sommerliche Attraktion und unterstützen die Verdunstungskühlung / Luftbefeuchtung im Hochsommer.
Der Baumbestand setzt auf klimaresiliente Arten (u. a. Acer campestre, Acer rubrum, Celtis australis, Sophora japonica), ergänzt durch intensiv bepflanzte Regengärten mit standorttoleranten, überwiegend heimischen Mischpflanzungen (z. B. Weiden/Hartriegel, Schneeball, Seggen/Gräser, Wasserdost, Farne, Schwertlilie), die Biodiversität, Pflegepragmatik und saisonale Wirkung verbinden.
Die Uferkante ist als urbane Promenade konzipiert, die publikumswirksame Nutzungen im Erdgeschoss direkt an attraktive Aufenthaltsbereiche koppelt. Das stärkt das Quartier als Ort alltäglicher Nutzung (Spaziergang, Aufenthalt, gastronomische Nutzungen) und unterstützt ein Sicherheits- und Robustheitsprinzip durch „belebte“ Räume statt ungenutzter Übergangszonen.
Uferpromenade
Die bisherige Rasenböschung wird zugunsten einer klassischen Promenade mit baumbeschattetem Flanierraum umgestaltet. Eine rekonstruierte Ufermauer mit Berliner Kanonengeländer sichert den Absturzbereich, während vorgelagerte Betonfertigteilbänke den Uferraum erweitern und attraktive Aufenthaltsbereiche direkt am Wasser schaffen.
Eine großzügige Sitzstufenanlage aus Beton bindet den Grünen Platz visuell und funktional an das Ufer an und greift gestalterische Motive des Bandes des Bundes und der Europacity auf – insbesondere die Kombination aus Naturstein und Beton.
Der Belag besteht aus einer wassergebundenen Wegedecke mit eingelassenem Plattenband aus Berliner Gehwegplatten als Allwetterweg. Ergänzt wird die Promenade durch gruppierte Berliner Parkbänke.Die Pflanzung integriert den vorhandenen Bestand (Fraxinus excelsior) und ergänzt ihn durch eine zweite Baumreihe aus Celtis australis in lockerer Staffelung.




