Haus J. Baker Alle Projekte

  • Ort

    Berlin Zehlendarf

  • Auftraggeber

    Privat

  • Leistungen

    LP 1-5 HOAI

  • Zeitraum

    2010

Das kompakte Wohnhaus versteht sich als zeitgenössische Hommage an die ungebauten Visionen Adolf Loos’ für Josephine Baker – jedoch in einer reduzierten, klar strukturierten Architektursprache übersetzt. Die Bauherrin, deren Großmutter in den 1920er-Jahren Josephine Baker in Berlin erlebt haben soll, wünschte sich ein Haus, das künstlerische Freiheit, Privatheit und konzentriertes Arbeiten unter einem Dach vereint.

Der Entwurf reagiert darauf mit einem präzise proportionierten, kubischen Baukörper von etwa 7,98 × 10,98 m Grundmaß. Die Gesamtfläche beträgt in der Grundvariante gerade mal 124,6 m², erweitert um ein Studio mit Dachterrasse das Raumangebot auf ca. 149 m² .

Raumplan

Das Erdgeschoss bildet den offenen, kommunikativen Kern des Hauses. Wohnen und Kochen sind als zusammenhängender Raum von rund 39,4 m² organisiert. Großzügige Verglasungen öffnen diesen Bereich zur Terrasse und zum Garten. Die klare Grundstruktur wird durch eine zentral angeordnete Treppe gegliedert, die alle Ebenen miteinander verbindet. Ein separater Raum „Malen/Archiv“ mit etwa 16,2 m² ist bewusst im Erdgeschoss positioniert – ruhig gelegen, mit kontrolliertem Lichteinfall. Er dient der Bauherrin als Atelier für kleinere Arbeiten oder als Archivraum für Skizzen, Studien und Arbeiten auf Papier. Nebenräume wie Diele, Garderobe, WC, Hauswirtschaft und Abstellflächen sind kompakt angeordnet und unterstützen die funktionale Klarheit des Grundrisses. Im Obergeschoss (ca. 53,3 m²) befinden sich die privaten Räume. Schlafen, Ankleide und Bad sind effizient organisiert. Eine Galerie von ca. 14,2 m² öffnet sich zum Luftraum über dem Wohnbereich und schafft eine visuelle Verbindung zwischen den Ebenen. Die vertikale Raumbeziehung erinnert subtil an Loos’ Raumplan-Prinzip – unterschiedliche Raumhöhen und Blickbeziehungen erzeugen räumliche Tiefe trotz kompakter Kubatur. Das optionale Studio im Dachgeschoss (ca. 24,5 m² ) bildet den eigentlichen künstlerischen Höhepunkt des Hauses. Als Maleratelier konzipiert, erhält es großzügiges Tageslicht sowie direkten Zugang zu einer Dachterrasse gleicher Größe . Das Atelier liegt abgeschieden über dem Wohnbereich – ein Ort der Konzentration und des Rückzugs.

Architektur und Ausdruck

Die äußere Erscheinung zitiert die ikonische Idee des „House for Josephine Baker“ nicht wörtlich, sondern atmosphärisch. Die Fassade wird durch horizontale Bänder strukturiert – eine abstrakte Referenz an die legendären schwarz-weißen Marmorstreifen Loos’. Statt ornamentaler Geste entsteht eine ruhige, rhythmische Gliederung der Hülle. Die Kubatur bleibt bewusst kompakt. Der Baukörper steht klar im Grundstück, ergänzt durch eine separate Garage und eine gefasste Terrasse. Große, präzise gesetzte Öffnungen kontrastieren mit geschlossenen Wandflächen. Innen dominiert eine reduzierte Materialität – helle Oberflächen, warme Holzböden und klare Linien schaffen den Hintergrund für künstlerisches Arbeiten und Wohnen.

Charakter des Hauses

Das Haus ist kein lautes Manifest, sondern ein konzentrierter, persönlicher Rückzugsort. Es verbindet Wohnen und Kunstproduktion auf engem Raum, ohne funktionale Trennung zu verlieren. Die vertikale Staffelung der Räume, die gezielten Blickbeziehungen und die Dachterrasse als Atelier unter freiem Himmel verleihen dem kompakten Volumen räumliche Großzügigkeit. So entsteht ein Haus, das die Idee eines nie gebauten Ikonenprojekts weiterdenkt – reduziert, zeitgenössisch und auf die Bedürfnisse einer Malerin zugeschnitten. Ein Atelierhaus, das Erinnerung und Gegenwart in einem klaren architektonischen Ausdruck vereint.