Haus N01 Alle Projekte

  • Ort

    Berlin - Grunewald

  • Auftraggeber

    privat

  • Leistungen

    LP 1-3 HOAI

  • Nutzfläche

    200 m² NGF DIN 277

  • Baukosten

    2,3 Mio. €

  • Energiestandard

    KfW 55

  • Besonderheiten

    Pool, Dachstudio

  • Zeitraum

    2010

An der Hilde-Ephraim-Straße 9 in 14193 Berlin, in unmittelbarer Nähe der Villenkolonie Grunewald, entsteht mit Villa Grunewald ein Haus, das den Wechsel von Stadt und Garten bewusst inszeniert.

Zur Straße hält sich der Baukörper zurück: eine ruhigere, eher geschlossene Front, die Privatsphäre schafft und den Lärm des Ankommens draußen lässt. Erst beim Näherkommen wird klar, dass diese Zurückhaltung kein Verzicht ist, sondern die Voraussetzung für das eigentliche Thema des Entwurfs: Weite, Licht und ein Alltag, der sich nach Süden öffnet. Hinter der Eingangsschwelle ordnet sich das Haus klar und selbstverständlich. Nebenräume und Funktionen liegen kompakt, damit der Weg in den Wohnbereich frei bleibt. Mit wenigen Schritten weitet sich der Raum: Der Wohn-, Ess- und Kochbereich bildet eine zusammenhängende Mitte, und der zweigeschossige Luftraum gibt ihm Höhe und Resonanz. Die vollflächige Verglasung nach Süden bindet den Garten an – nicht als Kulisse, sondern als Teil des Raumes. Das Haus gewinnt dadurch Tageslicht bis tief in den Grundriss; morgens zeichnet die Sonne lange Linien über den Boden, am Nachmittag wird der Wohnraum zur hellen, offenen Bühne des Familienlebens. An der Seite liegt die Bibliothek, durch einen offenen Kamin vom großen Wohnraum abgerückt. Sie wirkt wie eine innere Nische: nah genug, um verbunden zu bleiben, und eigenständig genug, um sich zurückzuziehen. Hier kippt die Atmosphäre vom offenen Raum in eine konzentriertere Stimmung – Lesen, Arbeiten, leises Gespräch. So entsteht im Erdgeschoss eine Abfolge von Zonen statt einer einzigen Geste: offen, gebündelt, dann wieder still. Über die mittig liegende Treppe führt der Weg entlang der Galerie ins Obergeschoss. Von hier aus bleibt der Bezug zum Wohnraum spürbar, ohne die privaten Räume preiszugeben. Drei Schlafzimmer und ein großzügiges Bad gruppieren sich an der offenen Mitte – Orientierung entsteht über den Luftraum, Rückzug über klare Türsituationen und kurze Wege. Das Haus bleibt auch oben leicht lesbar: kein Labyrinth, sondern eine ruhige Ordnung, die den Alltag unterstützt. Die Treppe endet nicht im Obergeschoss, sondern setzt sich fort ins Dachstudio. Ob als Arbeitsraum, Gästeebene oder Ort für Musik und Sport: Hier oben erhält das Haus einen zusätzlichen, eigenständigen Raum, der sich auf eine vorgelagerte Terrasse schiebt. Über dem Alltag des Erdgeschosses entsteht ein Platz mit Abstand – Wind, Himmel, Abendlicht. Villa Grunewald erzählt damit eine einfache, robuste Idee: Zur Straße ein ruhiger Rücken, zum Süden ein offenes Gesicht. Und dazwischen eine Raumfolge, die vom Ankommen bis zur Dachkante immer wieder unterschiedliche Qualitäten anbietet – Weite und Nähe, Gemeinschaft und Rückzug, Licht und Ruhe.